Die Zukunft ist weiblich!

von Udo Neumann
„Gebt das Klettern denen zurück, die etwas davon verstehen!“ war das Motto des ersten Bronx Rock Invitational. Und tatsächlich, die acht eingeladenen Kletterer boten eine neue Dimension an Attraktivität für die Zuschauer, die an diesem Abend die einmalige Möglichkeit hatten, den Topkletterern quasi über die Schulter zu schauen und die verschiedenen Stile zu vergleichen. Jeder der acht Teilnehmer bekam einen Wandteil im weitläufigen Bronx Rock Boulderbereich zugelost, an dem er mit einem für jeden Teilnehmer gleichen Set von 30 Bleaustone Griffen innerhalb von einer Stunde sein Boulderproblem schrauben musste. Das Schrauben war für den Wettbewerb viel wichtiger, spannender und für die Teilnehmer anstrengender als wir es erwartet hätten. Unter den Augen des Publikums entstanden acht völlig unterschiedliche Probleme,die im Anschluss auf der Videoleinwand analysiert wurden. Dies gab den Zuschauern die Möglichkeit in bisher nicht gekannten Maße in die Komplexität des Boulderns einzusteigen. Danach wurden die acht gesetzten Probleme im offenen Modus von den Teilnehmern versucht zu klettern. Bewertet wurde dabei nicht nur die sportliche Leistung, sondern auch der Style und die Kreativität beim Schrauben, also der beste Boulder. Wer sein eigenes Problem nicht klettern konnte bekam 3 Punkte abgezogen, eine Flashbegehung brachte 2 Punkte, eine „normale“ Begehung einen Punkt…

Zusammenfassend war das Bronx Rock Invitational 2007 bei Teilnehmern und Publikum ein voller Erfolg. Einhellig waren alle der Meinung das dieser Modus sehr interessante Bewerbe ermöglicht, bei denen der Gewinner auf faire, und für das Publikum sehr attraktive Art ermittelt wird.

So weit so gut, fast forward ein paar Monate später und wir sind bei den Vorbereitungen des BRI 2008. Dabei wollen wir nicht verhehlen, dass es durchaus Kritik an der Veranstaltung gegeben hat:
"Irgendwie komisch ... Da will die Bronx einen Wettbewerb der deutschen Boulder Superlativen machen und promoted die ganze Sache ganz groß.
Die Idee dieses Wettbewerbs ist komplett neu und macht Lust auf einen Besuch. Doch was muss man dann im Teilnehmer Feld sehen ?
Nur Männer ... Keine einzige Frau.
Gibt es keine guten deutschen Bouldererinnen? Oder denkt der Veranstalter das diese nicht mit der männlichen Konkurrenz mithalten kann.
Und selbst wenn das so ist, wieso werden die Männer bei sowas dem vermeindlich schwachen Geschlecht vorgezogen? Ich -selber eher männlich- finde das zutiefst verstörend und sexistisch!!! Ich würde mich sehr freuen wenn ein Vertreter der Bronx dazu Stellung nehmen könnte."

Stellung haben wir damals dazu nicht genommen, waren wohl zu beschäftigt mit der Planung des Ganzen. Auf die Frage: "Gibt es keine guten deutschen Bouldererinnen?" entgegnen wir aber:
"Es gibt in Deutschland keine acht Frauen die sich auf attrakivem Niveau ihre eigenen Boulderprobleme schrauben können!"

"Oder denkt der Veranstalter das diese nicht mit der männlichen Konkurrenz mithalten kann?"
Grundsätzlich klettern Frauen und Männer gleich gut, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen.
Bei gemischten Gruppen kommt es aber zu zu speziellen Problemen. Denkt man zum Beispiel an das große Dach in der Nose und stellt sich die Griffe noch schlechter und die Tritte noch näher an den Untergriffen vor, dann wir klar, dass ein einmeterachtzig großer Typ einer miteinsfuffzig großem Mädel unterlegen sein wird. Umgekehrt lässt sich mit 1,80 viel weiter springen...

Deswegen haben wir 2007 acht Kerle eingeladen. Und alles war gut!

Doch dann kam folgende Mail:

hi udo,
gute idee das ganze. allerdings wär es für dein konzept sehr interessant auch mädels einzuladen. gerade deshalb, weil momentan im (internationalen) routenbau die größte schwäche in den damenbouldern liegt und es keine weiblichen schrauber gibt. außerdem gibt es immer wieder diskussionen, wenn mädels irgendwas schaffen. kleinere finger, wiegen nichts, alles wechseln, längenzüge usw. kennst ja selbst.
bis bald mal,
grüße christoph (finkel, Kletter Nationaltrainer)

Stichwort "International", Das ist die Lösung! International fallen einem durchaus viele Frauen, von Angelica Lind über Marietta Uhden zu Barbara Zangerl ein, denen man mal gerne bei der Kletterkreativität zuschauen würde...

... und so soll es am 16.2.2008 sein. Wir laden acht völlig unterschiedliche Frauen aus den verschiedenen Klettersportlichen Disziplinen ein, um beim Bronx Rock Invitational die mutigste, stärkste und kreativste an diesem Abend zu ermitteln. Die insgesamt 2000 Euro Preisgeld werden nach dem Melloblocco Regeln vergeben, sprich jedes Problem ist 250 Euro "wert". Diese 250 Euro werden durch die Zahl der Begehungen geteilt. Dies wird dem Geist des Bronx Rock Invitational gerechter und vermeidet, dass eine Teilnehmerin mit völlig leeren Händen nachhause fährt...
Die Zukunft ist weiblich, Klettern ist wieder spannend!