Wissenschaftliche Studie über therapeutisches Klettern bei Kindern mit AD(H)S

Eine neue Studie, die zurzeit in Kooperation mit der BRONX ROCK Kletterhalle in Wesseling und den Universitäten Mainz und Köln durchgeführt wird, soll die Wirksamkeit von therapeutischem Klettern bei Kindern mit AD(H)S belegen.

2 - 6 % aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland weisen Merkmale einer Aufmerksamkeitsstörung mit oder ohne Hyperaktivität auf. Den Kindern fällt es schwer, sich konzentriert und zielgerichtet mit einer bestimmten Aufgabe auseinanderzusetzen. Dadurch können schon „normale Kleinigkeiten“ im familiären sowie schulischen Alltag zu großen Hindernissen werden. Der Leidensdruck, der auf den Betroffenen und deren Familien lastet, ist meist enorm.

Neben der medizinischen Versorgung, Beratung der Eltern und des Umfeldes in Schule und Alltag ist es wichtig, diesen Kindern und Jugendlichen ein Angebot zu schaffen, das therapeutische Aspekte mit Spaß und Erlebnis vereint.

In Österreich wird „Therapeutisches Klettern“ bereits seit einigen Jahren erfolgreich als Therapie eingesetzt. Die Erfahrung zeigt, dass Klettern u.a. Wahrnehmung, Motorik und Konzentration fördert und eigen- und sozialverantwortliches Handeln vermittelt. Damit wirkt es der AD(H)S Symptomatik entgegen und stärkt die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Alltagskompetenz. Dies soll jetzt auch in der wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden, an der 22 Kinder zwischen acht und zehn Jahren mit der ärztlichen Diagnose AD(H)S teilnehmen.

Um die Ergebnisse der Studie später verifizieren zu können, nehmen die Kinder zu Beginn und gegen Ende der Studie an wissenschaftlich standardisierten Tests teil, welche die verschiedenen Aspekte der Aufmerksamkeitsstörung betreffen: Dazu gehört ein Interview mit den Kindern, in denen sie zu Ihrer persönlichen Situation im Alltag und in der Familie, dem subjektiven Befinden und Selbstwertgefühl befragt und persönliche Trainingsziele festgehalten werden. Ein Eltern- und Lehrererhebungsbogen gibt Aufschluss über die AD(H)S-Symptome des Kindes im Alltag. Es folgen Tests zur Motorik (Handgeschicklichkeit, Balance) und zur Aufmerksamkeit (selektive Aufmerksamkeit: Kann das Kind zuhören, obwohl es laut ist?; geteilte Aufmerksamkeit: Kann das Kind zuhören und mitschreiben?).

In den folgenden 10 Trainingseinheiten á 1,5 Std. betreuen eine speziell ausgebildete Ergotherapeutin und ein Erzieher mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung jeweils sechs Kinder. Zwei Studenten der Sportwissenschaft und der Sonderpädagogik dokumentieren den Verlauf der Studie im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten.

Das therapeutische Klettern unterscheidet sich vom „normalen“ Sportklettern jedoch nicht nur durch die intensive Betreuung (1:3-Trainer-Teilnehmerschlüssel), sondern vor allem durch die therapeutische Ziel- und Umsetzung. Es werden nicht nur motorische Fähigkeiten durch die sportliche Komponente des Kletterns geschult, sondern die Trainer arbeiten mit den Kindern ganz gezielt an individuellen Defiziten, die eingangs festgestellt wurden, z.B. sich an Regeln zuhalten, Reihenfolgen einzuhalten, den anderen zu helfen, konzentriert zuzuhören und das Gehörte umzusetzen.

Bei speziellen Spielen an der Kletterwand wie dem „Wörter-“ bzw. „Zahlenrätsel“ erklettern die Kinder Buchstaben- oder Zahlen-Griffe, die extra für das therapeutische Klettern entwickelt wurden, und bilden daraus Mathe-Lösungen, Silben, Wörter und ganze Sätze.
Ein anderes Spiel spricht besonders die Balance, Geschicklichkeit, Rücksichtnahme und Kommunikationsfähigkeit an: Zwei Kinder sollen gemeinsam kletternd einen Luftballon bis oben zur Decke transportieren, ohne dass dieser hinunterfällt, platzt oder eines Kinder den Kontakt dazu verliert.

Im Trainingstagebuch halten die Kinder ihre Erlebnisse fest. Dadurch und durch gemeinsames Reflektieren werden ihnen ihre persönlichen Stärken und Schwächen, aber auch die erzielten Fortschritte und Erfolge bewusst. Ein Belohnungssystem (z.B. Besuch des Hochseilgartens nach gemeinsam gelösten Aufgaben, Toben auf der Kinderspielburg) verstärkt ihre Motivation und Entwicklung.

Der Verlauf der therapeutischen Klettergruppe und der individuelle Fortschritt der Kinder in gruppendynamischer, motorischer und sozialer Hinsicht werden schriftlich, mit Video und in Bildern dokumentiert und analysiert. Die Ergebnisse werden am Ende der Studie mit denen einer Kontrollgruppe verglichen. Die endgültige Auswertung wird Ende April erwartet.


Ansprechpartner:
BRONX ROCK Kletterhalle
Birgit Schierbaum
bschierbaum@bronxrock.de
Tel.:02236-890573